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Die Bestimmung

Die Dystopie handelt von einer Welt, in der sich Jugendliche mit 16 Jahren entscheiden mussen, welcher der fünf Franktionen sie beitreten wollen. Sie müssen sich deren Lesensformen und Ansichten aneignen und bis zu ihrem Lebensende in der Fraktion bleiben, dabei gilt der Grundsatz "Fraktion vor Blut". Zur Entscheidungshilfe steht ihnen ein Test zur Verfügung, der ihre innere Bestimmung erforscht und die Wahl dadurch erleichtern soll. Doch für Beatrice bringt der Test kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte. Und Unbestimmte gelten in der Gesellschaft, in der sie lebt, als höchst gefährlich...

 

Autor: Veronica Roth

Verlag: cbt

Seiten: 496

Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2013

 

 

Der Auftakt zur Trilogie hat mir sehr gut gefallen und war in meinen Augen sehr gelungen!

 

Bereits ab der ersten Seite hatte Veronica Roth mich vollkommen in ihrem Bann. Sie versuchte nicht eine lange und ausführliche Einleitung zu schreiben, wie es bei so vielen anderen Büchern der Fall ist, stattdessen befand sich der Leser direkt Mitten im Geschehen.

Alle Fakten erfuhr man wie nebenbei und nach und nach und nicht alles auf einmal und direkt. Dennoch hatte ich anfangs nicht das Gefühl ich würde überfordert werden und wüsste gar nicht, in welcher Welt ich mich befinde. Stattdessen konzentrierte man sich erst auf den Test, danach kam direkt was anderes und im Anschluß wieder was Neues, sodass man gar nicht dazu kam, sich Gedanken über die Gesellschaft zu machen und nur Beatrice begleiten konnte.

 

Ein paar Worte zu der Gesellschaft... Sie ist aus fünf Fraktionen aufgebaut:

Altruan- die Selbstlosen, Candor- die Freimütigen, Ken- die Wissenden, Amite- die Friedfertigen und Ferox- die Furchtlosen.

Jede der Franktionen führt auf einen anderen Grund zurück, weshalb diese erst gegründet wurden.

Für die Altruans ist die Selbstlosigkeit der wichtigte Wert, sie stellen das Gemeinwohl über ihre eigene Bedürfnisse und bilden die politische Spitze. Sie denken, dass der Krieg auf die Selbstsucht jedes einzelnen zurück zu führen war und wollen dagegen ankämpfen.

Für die Candor geht die Wahrheit über alles. Sie können und dürfen nicht lügen und müssen immer ehrlich sein. Sie glauben, wenn jeder die Geheimnisse des anderen kennt, hat man nichts mehr zu befürchten.

Die Ken stellen Wissen und Erkenntnisse über alles. Sie bilden in der Gesellschaft die Forscher und Entwickler. Sie geben der Unaufgeklärtheit der Bevölkerung Schuld für den letzten Krieg.

Die Amite, die Friedfertigen, halten die menschlichen Aggressionen für die Ursache des Übels.

Und schließlich die Ferox, die den Mut und die Tapferkeit für die größten Tugenden der Menschen halten, da sie der Feigheit die Schuld geben.

 

So verschieden die Fraktionen auch sind, so schwierig ist es für Beatrice sich für ihre zukünftige Fraktion zu entscheiden. Für die Altrun fühlt sie sich nicht selbstlos genug, dennoch hat sie Angst in eine andere Fraktion zu wechseln, da Fraktionswechsler als Verräter ihrer Fraktion bzw der Gemeinschaft angesehen und dadurch häufig von ihren Familien verstoßen werden.

 

Ich fand Beatrice von Anfang an sehr sympathisch. Sie ging ihren Weg, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen und nahm auch die Gefahr auf sich, dass ihre Familie ihr böse gesinnt wäre, wenn sie ihre Fraktion verließe. Aber sie wusste, dass sie bei den Altruan nun mal nicht richtig "leben" könnte, sondern nur den Weg gehen, der vorbestimmt vor ihr läge.

Ihr Mut hat mich immer wieder positiv überrascht, ebenso wie ihre Fähigkeit sich zu beherrschen. Stellenweise empfand ich sie als impulsiv, zumindest ihre Entscheidungen, aber es passte absolut zu ihrer Persönlichkeit. Denn an anderen Stellen konnte sie sich auch unterordnen und anderen etwas vormachen, wenn die Situation dies von ihr verlangte.

 

Four habe ich absolut ins Herz geschlossen. Ein unglaublich schlauer Mann, der meist zuerst denkt und danach handelt und zwischendurch seine Chancen abschätzt, ohne dass es überheblich wirkt. Vor allem ist er selbstbewusst, weiß was er will und auch wie er es bekommt. Einerseits kommt er einem schüchtern rüber, andererseits kann er aber auch den ersten Schritt wagen... Ein sehr vielseitiger Protagonist, den man, wenn man nur den ersten Band gelesen hat, sehr schwer einschätzen kann, da er immer wieder neue Seiten von sich offenbart, mit denen man nicht gerechnet hatte.

 

Beatrice's Freunde empfand ich irgendwie eher als Bekannte. Es war eine "Freundschaft", die auf gegenseitigem Nutzen beruhte. Mehr nicht. Beatrice fühlte sich einsam und brauchte jemanden, damit sie nicht alleine da steht.

Christina, Caleb (ihr Bruder) sowie die anderen waren nicht unbedingt meine Lieblinge. Die von der Veronica Roth scheinbar auch nicht, denn wie ich finde, kam es sehr eindeutig raus, wem man in dem Buch trauen konnte und wem nicht. Somit sind das für mich eher "leicht abkömmliche" Figuren und ich frage mich bereits, was sie im nächsten Band mit ihnen vor hat, denn Andeutungen gab es ja zur Genüge :x.

 

Der Schreibstil von Veronica Roth hat mir sehr gut gefallen. Es war flüssig und detailliert beschrieben, aber schön in die Handlung eingebaut. Es gab keine einzelnen Seiten, wo es nur um die Geschichte der Welt ging und wo keine Handlung stattfand. Stattdessen lernte man im Verlauf der Geschichte immer mehr über die Welt und die Gesellschaft kennen und nicht alles auf einmal.

Das fand ich sehr erfrischend :).

 

Auch fand ich die Andeutungen (zB mit dem Schloß am Tor) sehr interessant und hoffe, dass die Autorin das in den nächsten Teilen vertieft und wir dadurch mehr über die Welt außerhalb der Stadt erfahren.

 

Ich habe versucht, mich in die Welt einzuleben und auch überlegt, welche Fraktion ich für mich wählen könnte und musste fest stellen... dass es eigentlich unmöglich ist. Die meisten Menschen haben von allen Fraktionen etwas in sich. Sich auf nur eine zu beschränken und alles andere zu ignorieren oder es nicht zu dürfen (sich beispielweise weiterbilden oder sportlich betätigen, wenn man Amite ist) würde auf die Dauer doch komplett auf die Psyche gehen, ob das die Personen direkt merken oder nicht... Aber dennoch war es eine unglaublich interessante Idee, so eine Welt überhaupt erst zu erschaffen, die nach solchen Regeln funktioniert.

 

Ein sogenannter "roter Faden" war durchgehend vorhanden, denn Beatrice suchte nach ihrer wahren Bestimmung und erfuhr etwas, das ihre Welt vollkommen auf den Kopf stellte, andererseits aber nicht wirklich überraschte, da sie dies bereits erwartete bzw zumindest ahnte.

 

Das Cover fand ich ebenfalls sehr sehr schön gestaltet, mit den heller werdenden Farben und der schwarzen Stadt im Hintergrund.

 

 

Fazit:

 

Eine Leseempfehlung!

Bereits ab den ersten Seiten ist man Mitten im Geschehen und hat keine Chance, das Buch aus der Hand zu legen, da man wissen möchte, wie es weiter geht.

Eine sehr interessante Welt, die im Buch wahrscheinlich funktionieren könnte (aber wie man las auch nicht ohne Einschränkungen), in der Realität aber absolut undenkbar ist. Was dem Roman aber seinen Reiz verleiht, sich auch mal in eine komplett "fremd" wirkende Welt einzulassen.

Veronica Roth hat eine sehr bildliche und detaillierte Schreibweise, die mir sehr gut gefallen hat.

Ich würde dem Buch 5 von 5 Sterne geben, da es mich immer mitreißen konnte und ich die Protagonisten einfach so sympathisch fand :x.

 

Datum:18.07.19|06:27Uhr
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