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Mein bester letzter Sommer

Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind … [Quelle: Amazon]

 

Autor: Anne Freytag

Verlag: Heyne
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 8. März 2016

 

 

"Ist es nicht komisch, dass ein und dieselbe Sache so anders aussehen kann, je nachdem, aus welcher Perspektive wir sie betrachten? Die einen sehen eine Pusteblume, die anderen einen Wunsch."

 

Dieser Roman war so unglaublich traurig und doch so unglaublich schön, dass es mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Obwohl der Klappentext vermuten lässt, dass es in dem Roman um Tod und das Sterben geliebter Menschen geht, trifft das nur ansatzweise zu.

Tatsächlich ging es in dem Roman vielmehr um das Leben und die Liebe zum Leben. Dass man auch mal seine Vernunft abschalten und das tun sollte, was einem auf dem Herzen liegt, wenn es das ist, was man möchte. Die Vernunft auch mal abzuschalten und nur auf sein Herz zu hören. Denn möglicherweise hat man dafür später keine Zeit und bereut es, die Zeit die man hatte, nicht richtig ausgenutzt zu haben.

Jeder Tag sollte für einen Menschen etwas ganz besonderes sein, denn es kann immer passieren, dass es sein letzte Tag ist, auch wenn die Person vollkommen gesund ist. Man sollte versuchen in dem Moment zu leben und keine langjährigen Pläne á la "was mache ich in 20 Jahren beruflich und privat" machen, da das Leben sowieso häufig anders kommt, als man erwartet oder plant. Seine Zukunft kann man insofern nur bedingt beeinflussen. Häufig kann man dem Leben nur eine Richtung geben und hoffen, dass alles zur eigenen Zufriedenheit läuft.

 

In diesem Roman war Tessa eine Figur, die immer alles getan hat, was von ihr erwartet wurde. Sie war das perfekte Kind und von vielen beneidet. Sie wollte immer alles perfekt machen und perfekt sein und hat immer auf perfekte Augenblicke für etwas gewartet... Bloß, dass sie irgendwann erfährt, dass sie gar nicht so viel Zeit hat, wie sie dachte und ihre ganzen Zukunftspläne spielen auf einmal keine große Rolle mehr, da sie nie mehr die Chance haben wird, ihre Träume nur ansatzweise zu erfüllen. Verständlicherweise ist sie vollkommen am Boden zerstört, reagiert bissig und gereizt, versteckt sich in ihrem Zimmer und wartet nur noch auf ihren Tod...

Bis sie plötzlich auf den Jungen trifft, auf den sie ihr Leben lang gewartet hat. Er bringt ihr Leben wieder zum Leuchten und gibt ihr einen Grund zum Leben. Zusammen wollen sie so viel wie möglich erleben in der Zeit, die ihnen zusammen noch bleibt und deswegen machen sie sich auf die Reise quer durch Italien.

 

Oskar war ein unglaublich sympathischer und verständnisvoller junger Mann. Er hatte selbst seine Päckchen zu schleppen und fühlte sich vermutlich unter anderem auch aus diesem Grund so stark für sie verantwortlich. Von Anfang an hatte man das Gefühl, dass sie füreinander bestimmt sind.

Und erst, als sich die Erzählperspektive gegen Ende wechselt und es auch einige Abschnitte aus der Sicht von Oskar gibt, versteht man, wie stark Tessa mental tatsächlich war. Nicht viele könnten mit ihrem Todesurteil so besonnen umgehen... Ich denke sogar nur die wenigsten. Sie hatte ihr Schicksal aber akzeptiert, obwohl sie vorher nur in den Plänen ihrer Zukunft lebte und ihre Persönlichkeit veränderte sich, als sie auf Oskar traf. Auf einmal wollte sie tatsächlich LEBEN und nicht nur existieren und auf richtige Augenblicke warten. Sie wollte spontan sein und ihren Wünschen nachgehen. Sie wollte das Leben genießen und sich nicht nur in ihrem Zimmer verschanzen ohne Kontakt zur Außenwelt.

 

"Ich habe mit dir einen winzigen Teil der Welt gesehen und währenddessen bist du zu meiner geworden. Mit dir habe ich in ein paar Tagen ein ganzes Leben gelebt."

 

In diesem Roman wurde deutlich gemacht, wie häufig Menschen nur von einem Tag in den nächsten existieren, ohne wirklich zu leben. Sie hetzen zur Arbeit und wieder zurück und lassen die Familiengründung auf's Eis legen, weil sie denken, das hätte später immer noch Zeit und Arbeit geht vor. Geld regiert die Welt und das persönliche Wohlbefinden bleibt dabei immer häufiger auf der Strecke... Doch es ist wichtig, auch mal Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen, weil man sie später im schlimmsten Fall möglicherweise nicht mehr hat. Aber jeder hat seine eigenen Prioritäten im Leben ;).

 

Der Schreibstil von Anne Freytag war flüssig, sehr detailliert und bildreich geschrieben. Ich konnte mir direkt vorstellen, wie die beiden aussahen und wo sie sich auf ihrer Reise befanden. Außerdem war ich selbst schon einmal in der Toskana gewesen und habe ebenfalls die Orte besucht, die in Buch beschrieben wurden und konnte so meine Erinnerung nochmals etwas auffrischen und tatsächlich war mir einiges entgangen oder ich habe vieles nicht so genau betrachtet wie die Protagonisten im Buch es getan haben und möchte auf jeden Fall irgendwann nochmal nach Italien reisen.

Für gewöhnlich zitiere ich in Rezensionen eher selten oder nehme bestimmte Sätze raus... dieses mal konnte ich allerdings nicht widerstehen. Es gab so dermaßen viele Passagen, die zum Nachdenken anregen sollten und da ich Weisheiten sowieso so gerne mag, musste ich die einfach aufschreiben und mit euch teilen.

 

Das einzige, was ich ein bisschen schade finde, ist, dass man direkt auf der ersten Seite (also eingedruckt in den Einband) sehen kann, wo ihre Route endet... obwohl sie ihre Route im Roman tatsächlich deutlich länger planen. Das heißt man weiß eigentlich schon von Anfang an, wo genau in Italien sie leider verstirbt.

Auf der letzten Seite im Einband ist eine Liste mit Liedern eingearbeitet, wo man nachlesen und nachhören kann, welche Lieder sie während ihrer Reise hören. Da fände ich es tatsächlich ein bisschen sinnvoller, diese auf die erste Seite zu drucken, dann bleibt das Ende ihrer Reise unbekannt...

Aber ich denke mal die Autorin wollte damit etwas bestimmtes bezwecken und das ist wirklich schon meckern auf hohem Niveau :x.

 

 

Fazit:

 

Das Buch hat mir unglaublich gut gefallen und ich würde es absolut jedem empfehlen!

Besonders Lesern, die leicht melancholische Bücher mögen, aber trotzdem mit Humor und einer gewissen Leichtigkeit, die beim Thema Tod für gewöhnlich nicht vorhanden ist.

5 von 5 Sternen!

Datum:18.07.19|06:52Uhr
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